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Interview mit U19-Bundesligatrainer Sebastian Schütte vom VfL Oldenburg

Sebastian Schütte, Trainer VfL Oldenburg U19

Sebastian Schütte, Trainer VfL Oldenburg U19

Steckbrief

Sebastian Schütte
Alter: 28 Jahre
Geburtsort: Oldenburg

Trainer VfL Oldenburg U19
(A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost)

Trainerstationen:
2003-2006 VfB Oldenburg:
Cheftrainer U14/U15, Co-Trainer U19

seit 2007 VfL Oldenburg:
Cheftrainer U15, U17, U19 und Nachwuchskoordinator

 

 

Sebastian, du bist für einen Trainer in der A-Junioren-Bundesliga sehr jung. Erzähle uns, wann und wie du ins Trainergeschäft eingestiegen bist:

Im Alter von 18 Jahren konnte ich erste Erfahrungen im Trainerbereich sammeln und den ersten Trainerschein erlangen. Parallel dazu wurde ich zusammen mit einem Mitspieler Spielertrainer in meiner damaligen A-Jugend-Mannschaft. Da merkte man schnell, dass einem das Trainer-Sein an sich sehr liegt und Spaß macht.

Und wie ging es dann weiter?

Darauf folgend übernahm ich die U14 vom VfB Oldenburg und wurde Co-Trainer der U19. Nachdem ich die U15 beim VfB Oldenburg lange Zeit sehr erfolgreich trainiert hatte, folgte nach 4 Jahren beim VfB der Wechsel zum VfL Oldenburg. Dort trainierte ich neben der U15 in den darauf folgenden Jahren auch die U17 und die U19. Seit 2010 bin ich beim VfL auch als Nachwuchskoordinators für den Leistungsbereich zuständig. Den Bereich leite ich zusammen mit dem ehemaligen U21-Nationaltrainer Dieter Eilts. An dieser Stelle möchte ich auch die weiteren Trainer der Jugendabteilung hervorheben. Sie leisten alle sehr, sehr gute Arbeit in der Ausbildung unserer jungen Talente. Mittlerweile können wir von einem sehr starken Trainerteam sprechen, dass sich in den letzten Jahren gebildet hat und vorbildlich zusammen arbeitet.

In der letzten Saison habt ihr euch dann in einer spannenden Aufstiegsrelegation gegen den FC Carl-Zeiss Jena den Platz in der Bundesliga gesichert. Wie hast du das erlebt?

Die große Sensation gab es schon im Vorfeld. Ich übernahm die U19 in der Niedersachsenliga und wir konnten am Ende der Saison den Aufstieg in die Regionalliga feiern. Als Aufsteiger gelang und dann die Sensation und wir konnten nach einer starken Saison den Relegationsplatz zur Bundesliga erreichen. Dort trafen mit dem FC Carl-Zeiss Jena auf einen professionellen Traditionsverein. Beide Relegationsspiele hatten es in sich. Im Heimspiel vor 1.200 Zuschauern im Stadion Alexanderstrasse konnten wir ein 2:2 Unentschieden erreichen und hielten uns alle Möglichkeiten für das Rückspiel offen. In Jena feierten wir dann vor erneut über 1.000 Zuschauern, darunter knapp 100 Oldenburger, einen 2:1 Sieg und den damit verbundenen Aufstieg in die Bundesliga. Die Rückfahrt nach Oldenburg kann sich dann sicherlich jeder vorstellen. Zu unserer Überraschung lud der Verein dann in Oldenburg zu einer spontanen Aufstiegsparty mit vielen Gästen, die die ganze Nacht andauerte.

Momentan seid ihr leider nur auf dem letzten Platz in der Bundesliga Nord/Nordost, was fehlt euch um erfolgreicher zu sein?

Uns war vor der Saison bewusst, dass nach dem Durchmarsch durch die Regionalliga, die A-Jugend Bundesliga noch ein ganz anderes Kaliber ist. Als Amateurverein haben wir nicht die Möglichkeiten, die andere Vereine mit Internaten und 6-8 Trainingseinheiten pro Woche haben. Wir haben uns bewusst dafür entschieden auf den eigenen Nachwuchs aus der U19, U18 und U17 zu setzen. Die Spieler der U17 zum Beispiel spielten in der Vorsaison in der B-Jugend Regionalliga gegen den Abstieg und müssen sich nun in der A-Jugend-Bundesliga behaupten. Die Philosophie unseres Nachwuchszentrums besagt, dass wir unsere eigenen Spieler bestmöglich fördern wollen und größtenteils auf „Zukäufe“ mit weiter Anreise verzichten wollen, damit wir einen größtmöglichen Pool an Spielern für die Herrenmannschaften ausbilden können.

Wie würdest du deinen Stil als Trainer beschreiben?

Ich denke ich konnte in den letzten Jahren von vielen Leuten etwas mitnehmen oder lernen. Allerdings ist mir wichtig nie jemanden kopieren zu wollen. Man muss seinen eigenen Stil entwickeln. In der Mannschaft sind mir Disziplin und Teamgeist sehr wichtig. Das sind Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Wenn da einer nicht mitzieht, dann kann ich auch mal mit harter Hand reagieren, sobald einer das Gefüge stört. Aber an sich gebe ich gerne Verantwortung an die Spieler ab und beziehe insbesondere die Führungsspieler in viele Planungen ein. Oft erkennt man in solchen Situationen die wirklich starken Charaktere und Mannschaften.

Was sind deine weiteren sportlichen Ziele?

Ich bin ja noch sehr jung und bin sehr glücklich, dass ich schon so viel erleben durfte. Ich konnte mit jeder Mannschaft, die ich bis jetzt betreut habe, mindestens einen Aufstieg feiern, dazu kommen noch Pokalsiege und in diesem Jahr die zweite Teilnahme am Finale des Verbandspokals. Ein Highlight war sicherlich auch der Aufstieg in die Bundesliga. Was die Zukunft bringt, kann man im Fußball nicht planen. Das Geschäft ist so schnell und im Vordergrund steht für mich, dass die Spieler, die wir betreuten, sich entwickeln. Das ist unsere Aufgabe als Trainer. Ich freue mich sehr über jeden Spieler, der es im Herrenbereich zu etwas bringt und in der Jugend etwas von mir lernen konnte.

Welche Eigenschaften sind für einen Jugendspieler, der etwas erreichen will, wichtig?

Irgendwann steht das Talent eines Spielers nicht mehr im Vordergrund. Wenn man in gewisse Bereiche im Fußball vorstößt, dann sind alle Spieler durchaus talentiert. Den Unterschied macht dann der absolute Wille aus. Jedem sollte klar sein, dass es nur ein kleiner Bruchteil der sehr talentierten Spieler am Ende schaffen kann. Wer alles in die Waagschale wirft, mit höchstem Eifer an jedem Training teilnimmt, immer wissbegierig ist und sich darüber hinaus wie ein Leistungssportler verhält und lebt, der ist schon auf einem sehr guten Weg. Viele Jugendspieler reden davon so zu handeln, aber nur die wenigstens haben wirklich den Willen und die Konstanz den harten Weg zu gehen. Da sind die Spieler „kleinerer Sportarten“ wie Handball, Basketball oder Eishockey den Fußballern um einiges voraus.

Du hast gerade deine A-Lizenz an der Sportschule in Hennef erfolgreich absolviert, was kannst du unseren Lesern von der DFB-Ausbildung und dem Lehrgang berichten?

Die Ausbildung des DFB verläuft sehr zielgerichtet von den ersten Lizenzen bis hin zur A-Lizenz bzw. dem Fußballlehrer. Im A-Lizenz-Bereich liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Coaching und der mannschaftstaktischen Ausbildung. Insbesondere durch die sehr professionelle Ausbildung durch die Ausbilder Ralf Peter und Bernd Stöber können die Trainer viel für ihren Alltag mitnehmen.

Hast du einen Tipp für junge Fußballer, die gerne Trainer werden möchten?

Als erstes ist es ein Vorteil sich früh mit der Materie zu beschäftigen. Dazu bietet auch der DFB begleitend erste Lehrgänge an, die schon im Jugendalter durchgeführt werden können. Ein guter Trainer sollte möglichst viele Facetten kennengelernt haben. Es kann nur von Vorteil sein, wenn man auch Erfahrungen im Bambini und unteren Jugendbereich gesammelt hat.

Sebastian, herzlichen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute für deine Trainerkarriere.

Spielplan und Tabelle der U19 des VfL Oldenburg (2011/2012)

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

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