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ITK 2014 – den Erfolg des deutschen Fußballs weiterführen

Es war mein erster Internationaler Trainer-Kongress, der vom 28. bis 30.07.2014 im Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim stattfand. Und ich muss sagen, ich bin nachhaltig beeindruckt. Zunächst war schon die bloße Anwesenheit so vieler kompetenter und erfolgreicher Trainer und Ausbilder aus allen Bereichen ganz großartig: Winfried Schäfer, Volker Finke, Eckhard Krautzun, Jorge Luis Pinto (WM 2014: Costa Rica), Christian Wück, Markus Babbel, Friedhelm Funkel, Bernd Stöber, Ralf Peter, Peter Schreiner und Frank Wormuth sind nur einige Namen.

Dazu kam ein wirklich abwechlungsreiches, anregendes und höchst lehrreiches Programm unter dem Motto: „WM-Analyse und Spielvorbereitung – schon im Erfolg die Weichen für die Zukunft stellen“. Dieser Titel war fast schon eine Mahnung an den deutschen Fußball, sich nicht wie nach dem letzten WM-Titel 1990 in Selbstgefälligkeit zu ergehen. Denn das Ergebnis dieser Selbstgefälligkeit kennen wir alle: Jahrzehnte des Leidens. Nun aber zum Ablauf des ITK 2014

ITK 2014 – Tag 1

Nach der Einführung in die Veranstaltung und das Programm durch den BDFL starteten Bernd Stöber und Frank Wormuth ihren Rückblick auf die WM 2014. Im Mittelpunkt der Betrachtung standen dabei die Unterschiede zwischen den Halbfinalisten Niederlande, Argentinien, Brasilien und Deutschland. Daraus abgeleitet wurden natürlich Konsequenzen für die Spielphilosophie des DFB und die zukünftige Trainingsarbeit in allen Ebenen.

Volker Finke, Nationaltrainer von Kamerun und Spielanalytiker Boris Notzon gaben einen Einblick in die Geschichte und den aktuellen Stand der Videoanalyse. Spannend dabei war, dass die beiden dies auch anhand eines konkreten WM-Spiels von Kamerun machten.

Lutz Michael Fröhlich von der DFB-Schiedsrichter-Kommission Elite analysierte die Schiedsrichterleistungen bei der WM anhand ausgewählter Situationen (z.B. taktische Fouls, Handspiele, Fouls im Luftkampf). Sein Fazit: So schlecht waren die Leistungen gar nicht.

Im ersten Praxisteil der ITK 2014 im Mannheimer Carl-Benz-Stadion demonstrierten Christian Wück (DFB U19-Nationalmannschaft) und Guido Streichsbier (DFB U17) zum Abschluss des ersten Tages Trainingseinheiten zu den Themen „Spielaufbau unter Gegnerdruck“ und „Spiel im letzten Drittel“.

Guido Streichsbier bei Ihren Demonstrationseinheiten beim ITK 2014

Christian Wück und Guido Streichsbier bei Ihren Demonstrationseinheiten beim ITK 2014

 

ITK 2014 – Tag 2

Zu Beginn des zweiten Tages stand das Thema „Konditionelle Vorbereitung am Spieltag“ auf der Agenda. DFB-Fitnesstrainer Krunoslav Banovcic referierte darüber, wie bei den U-Nationalmannschaften und der A-Nationalmannschaft die Vorbereitung auf das Spiel abläuft. Auch für Amateur- und Jugendtrainer ließen sich hier einige neue Erkenntnisse und Anregungen herausholen. Mit relativ einfachen Übungen und Abläufen zur Aktivierung bereiten sich die DFB-Teams auf Ihre Spiele vor.

Danach genoss ich einen Vortrag über „Multidirektionale Handlungsschnelligkeit als Erfolgsvoraussetzung bei der WM 2014“. Die Referenten machten zunächst die herausragende Ausbildung dieser Fähigkeit bei Topspielern an den Beispielen Messi, Ronaldo, und Müller deutlich. Danach arbeiteten sie Trainingsmöglichkeiten und deren Erfolgsaussichten heraus. Das Fazit: Schnelligkeit braucht langfristiges Maximalkrafttraining und wer schnelle Richtungsänderungen können will, muss schnelle Richtungsänderungen trainieren. Was ebenfalls hilft: einbeinige Sprünge (eher in die Horizontale als in die Vertikale).

Jörg Daniel, oberster Torwarttrainerausbilder des DFB nahm dann die überragende WM-Leistung von Manuel Neuer zum Anlass, über die Torwartleistungen bei der WM im Allgemeinen und über das sogenannte moderne Torwartspiel zu referieren. Er kam zu dem Schluss, dass es immer noch am wichtigsten ist, dass Torhüter Bälle halten und dass alle Aktionen, bei denen Feldspielertechniken zum Einsatz kommen auch früher schon so im Fußball vorkamen. Einige der Aktionen von Manuel Neuer, insbesondere im ja mittlerweile schon als stilprägend angesehenen Algerien-Spiel hätte er Manuel Neuer so nicht empfohlen. Die Ausführungen hatten Hand und Fuß, sodass sicherlich einige der Anwesenden (mich eingeschlossen) ihre Sichtweise auf das „moderne Torwartspiel“ wieder ein Stück weit relativierten.

Absolutes Highlight des zweiten Tages war Lokalmatador und Hockey-Nationaltrainer Markus Weise, der sehr praxisnah anhand eines Beispiels die Spielvorbereitung der Hockeynationalmannschaft bei Turnieren präsentierte. Seine großartige Ausstrahlung, sein lockerer Humor (er bezeichnet etwa einige seiner Spieler als „Patienten“) und sein dennoch bescheidenes Auftreten sorgten für größte Heiter- aber auch Aufmerksamkeit in den Reihen der Fußballtrainer. Markus Weise erhielt immer wieder Szenenapplaus für einzelne Ausführungen, auch gezeigte Spielszenen wurden vom Publikum mit Beifall bedacht. Alles in allem ein sehr gelungener Abschluss des Theorieteils am zweiten Tag.

Markus Weise beim ITK 2014 in Mannheim

Markus Weise beim ITK 2014 in Mannheim

Die Demonstrationseinheiten von Jens Rasiejewski (TSG 1899 Hoffenheim U17) und Thomas Krücken (FSV Mainz 05 U17) mit Ihren jeweils eigenen Mannschaften drehten sich um das Abwehrverhalten im Strafraum (speziell den Wechsel von der Raum- zur Manndeckung und das Besetzen der wichtigen Räume) und das schnelle Umschalten von Angriff auf Abwehr, hier insbesondere mit der situativen Entscheidung zwischen Gegenpressing und Fallenlassen.

ITK 2014 – Tag 3

Am dritten Tag gestaltete Prof Dr. Michael Kellmann (Universität Bochum) den Einstieg zum Thema Regeneration, vor allem im psychischen Sinne. Wichtigste Erkenntnis: Entspannung heißt Abwechslung, d.h. es geht als Trainer nicht immer nur darum, Pause zu machen, sondern einfach mal etwas Anderes zum Ablenken vom Trainer- oder Spielerstress. Denn um langfristig Leistung zu bringen, muss man auf jeden Fall auf die richtige Balance zwischen Beanspruchung und Entspannung achten.

Danach folgte ein hoch interessantes, von Sky-Moderator Michael Leopold geführtes Trainerinterview mit Jorge Luis Pinto (Ex-Nationaltrainer Costa Rica) unter dem Motto „Die WM 2014 aus Sicht von Costa Rica“. Er gab einige Einblicke in die Gemütslage seines Landes und schaffte es auch, seine interessanten taktischen Überlegungen sehr plastisch und verständlich darzustellen. Insbesondere sein Verständnis der 5er-Abwehr war höchst einleuchtend. Aus diesem Grundelement entwickelte er ein perfekt n die Spielerpersönlichkeiten von Costa Rica angepasstes, flexibles Set von taktischen Möglichkeiten. Eine beeindruckende Trainerpersönlichkeit, die den Weltfußball wirklich bereichert.

Abschließend erfolgte eine Podiumsdiskussion mit den Bundesliga-Trainern Christian Streich, Armin Veh und Thomas Schaaf, Volker Finke und Helmut Sandrock, Generalsekretär des DFB. Die Trainer ließen ihrerseits nochmals die WM Revue passieren und sprachen über Konsequenzen für die Ausbildung in Deutschland. Christian Streich fasste treffend zusammen, dass in Zukunft die taktische Flexibilität gepaart mit einer hohen Handlungsschnelligkeit die entscheidenden Fähigkeiten für erfolgreiche Fußballer sein werden. Dazu kommt, was unsere Nationalmannschaft so hervorragend gezeigt hat: Sozialkompetenz. Ein hohes technisches Niveau und alle notwendigen physischen Eigenschaften werden vorausgesetzt.

Fazit:

Raum und Zeit sind die wichtigsten Faktoren im modernen Fußball und genau mit diesen Elementen ist der ITK 2014 perfekt umgegangen: Der Kongress bot genügend Raum für neues Wissen und neue Ideen rund um den Fußball und sorgte mit dieser enormen Wissensdichte in kürzester Zeit und dem hohen Niveau der Referenten für ein ideales Fortbildungserlebnis. Auch der Austausch mit Trainerkollegen kam nicht zu kurz. Dafür lohnt es sich, die A-Lizenz zu machen und dann Mitglied im BDFL zu werden (Teilnahmevoraussetzung).

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

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