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Taktik des 4-2-3-1-Systems im Fußball Teil 1: Offensivtaktik

Das 4-2-3-1-System ist nicht nur in aller Munde, sondern auch auf den Taktik-Tafeln zahlreicher Fußballtrainer rund um den Globus präsent. Das mag auch daran liegen, dass einige national und international erfolgreiche Fußball-Mannschaften dieses Spielsystem spielen. In Deutschland wird der Erfolg bei der WM 2010 (3. Platz) auch nicht zuletzt der taktisch ausgefeilten Umsetzung dieses Spielsystems durch die schwarz-rot-goldenen Fußballer zugeschrieben.

Aus meiner Sicht liegt der Reiz dieser Mannschaftstaktik im Fußball in der taktischen Flexibilität, die daraus entsteht, dass das Spielsystem eine gute Balance bzw. Ausgewogenheit zwischen offensiven Chancen und der Minimierung defensiver Risiken im Spiel aufweist. Gehen wir einmal auf die besonderen Aufgaben und taktischen Möglichkeiten der einzelnen Positionen und Positionsgruppen (Viererkette, Mittelfeld, Angriff) ein:

Innenverteidiger im 4-2-3-1:

Die Innenverteidiger spielen eine wichtige Rolle für die Spieleröffnung. Sie haben im 4-2-3-1 insbesondere häufig die Möglichkeit, nicht nur die 6er kurz anzuspielen, sondern die auf den Halbpositionen spielenden äußeren Mittelfeldspieler direkt anzuspielen. Hieraus ergeben sich Varianten des Steil-Klatsch oder auch des Spielens über Dritte. Beim Steil-Klatsch über die äußeren MF-Spieler ist das Prallenlassen des Balles auf einen der 6er häufig, der dann verlagern oder weiter in die Tiefe spielen kann. Beim Spiel über Dritte wird in diesen Situationen dann oft auf den Außenverteidiger abgelegt bzw. weitergeleitet, der den Raum am Flügel nutzt (siehe nächster Abschnitt).

Außenverteidiger im 4-2-3-1:

Die Außenverteidiger können in diesem Fußball-System aus der Viererkette heraus äußerst offensiv agieren. Sie nutzen den Raum, der dadurch entsteht, dass die Außenspieler entweder auf der Halbposition agieren oder häufig mit und ohne Ball vom Flügel nach innen stoßen. Dadurch entstehen Räume auf den Flügeln. Oft ergibt sich hier auch über die gesamte Spielzeit gesehen ein asymmetrisches Taktikbild, da nicht beide äußeren Mittelfeldspieler gleichweit am Flügel spielen und meistens ein Außenverteidiger häufiger offensiv wird als er andere (natürlich auch sehr stark vom Gegnerverhalten abhängig). Hierzu ist auch das ein oder andere Beispiel der taktischen Aufstellungen (s.u.) aufschlussreich.

Man muss nun betrachten, dass hier natürlich bei den großen Mannschaften Weltklassespieler, die Besten auf ihren jeweiligen Positionen spielen. Und diese füllen mit ihren hervorragenden Talenten und Fähigkeiten dieses System mit Leben.

Offensiver Außenverteidiger im 4-2-3-1

Mittelfeld/Doppelsechs im 4-2-3-1:

Auf der Doppelsechs spielen Fußballspieler, die auch immer wieder gefährlich in die Offensive gehen können und durch kluges Aufbauspiel und Positionsverhalten (Mit einschalten in der Tiefe bzw. je nach Situation auch zurückfallen und Gegner herausziehen) Räume für das Offensivspiel öffnen können. Beispiele dieser äußerst vielseitigen und begabten Fußballer sind: Xabi Alonso, Sami Khedira (Real Madrid), Schweinsteiger, Luis Gustavo (FC Bayern München). Einzig beim FC Arsenal, einer der Mannschaften , die dieses System spielt, sehe ich hier keine Weltklasse, sondern nur Klasse: Wiltshere und Song sind klasse, aber keine Weltklasse.

Die Doppelsechs hat in Offensive und Defensive eine hohe Verantwortung, der nur Spieler mit Zweikampfstärke, Dynamik, Spielintelligenz, überragendem Einsatzwillen und einem Sinn für den öffnenden Pass gerecht werden können. Über die Position der Doppelsechs wird bei Ballgewinn schnell auf Angriff umgeschaltet, d.h. sie leitet schnelle Offensivaktionen ein. Zentrale Anspielstationen für die Spieler von hinten (Spielaufbau aus der Viererkette) und auch Passempfänger für Bälle, die von vorne vom 10er und vom Stürmer prallengelassen werden.

Auffällig: Eine stichprobenartige Untersuchung einiger Spiele der letzten UEFA Champions League- und Europa League-Saison zeigt, dass auf der Position der Doppelsechs äußerst selten ein- und ausgewechselt wird. Aus meiner Sicht ein klares Indiz für Bedeutung dieser spieltaktischen Positionen für die Stabilität dieses Spielsystems im Fußball. Im ganz offensiven Bereich nimmt man eher mal jemanden raus, denke ich.

Mittelfeld/Offensivreihe im 4-2-3-1-System:

Große Bedeutung kommt auch der offensiven Mittelfeldreihe zu, die neben dem Spielaufbau auch die zentrale Aufgabe hat, am und im gegnerischen Strafraum Torgefahr zu entwickeln. Gerade den äußeren Mittelfeldspielern (siehe auch oben) eröffnen sich in diesem Spielsystem viele Möglichkeiten, da sie weder auf eine zentrale noch auf eine Flügelposition festgelegt sind. Ein Wechselspiel zwischen Flügel und Halbposition ist nur eine taktische Interpretationsmöglichkeit. Auch die Höhe der Außenspieler ist variabel, so spielen sie zum Teil als echte Flügelstürmer, zum Teil als tiefer spielende äußere Mittelfeldspieler. Die Aufstellung ähnelt dann einem 4-3-3 bzw. einem 4-4-1-1-System. Die Spieler auf den Außenbahnen sind häufig technisch versierte Spieler mit eindeutigen Stärken im offensiven 1 gegen 1  (in Deutschland z.B. Götze, Großkreutz, Ribéry, Robben, Müller).

Im Folgenden habe ich mir ein paar Mannschaften aus der vergangenen Champions Legaue-Saison angeschaut und ein paar Statistiken von der UEFA zusammengetragen.

Profi-Mannschaften mit 4-2-3-1-Taktik:

Hier einige UEFA Champions League-Teilnehmer 2010/11, die das 4-2-3-1 System spielen. Die taktischen Aufstellungen sind offizielle UEFA-Presseveröffentlichungen.

FC Bayern München:
Beispiel 1: Gruppenphase Spieltag 4 in Cluj
Beispiel 2: Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand
Offensivreihe: Kroos, Schweinsteiger, Altintop | Gomez bzw.
Ribéry, Müller, Robben | Gomez

FC Arsenal London:
Beispiel 1: Gruppenphase Spieltag 4 in Donezk
Beispiel 2: Achtelfinal-Hinspiel gegen FC Barcelona
Offensivreihe: Walcott, Fabregas, Nasri | van Persie

CF Real Madrid:
Beispiel: Gruppenphase Spieltag 4 in Mailand (AC)
Offensivreihe: Ronaldo, Özil, di Maria | Benzema/Adebayor

Wann also bietet es sich an, offensiv das 4-2-3-1-System zu spielen?

  • Wenn ich einen torgefährlichen Stürmer habe, der dazu noch Bälle gut halten und ablegen kann
  • Wenn ich 3 offensive Mittelfeldspieler aufbieten kann, die technisch und taktisch auf hohem Niveau spielen und auch noch die Positionen wechseln können. Gleichzeitig müssen sie torgefährlich sein, d.h. immer wieder gefährlich in die Spitze gehen können
  • Wenn ich eine gegnerische Doppelsechs durch numerische Überzahl im Zentrum in Bedrängnis bringen will (3-2)
  • Wenn ich denke, jedes System, das die Nationalmannschaft spielt, sollte meine Mannschaft auch spielen. :-)

Im 4-2-3-1 System lässt sich auch hervorragend Verteidigen. Infos im zweiten Artikel zum 4-2-3-1 System (Defensivtaktik).

Kommentare erwünscht!

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

16 Kommentare

  1. Grüß dich Daniel!

    Wann kommt Teil 2 vom 4:2:3:1 raus?

    Grüße aus Hessen
    Felix

    • Hi Felix, das dauert noch ein wenig.
      Ich denke irgendwann im August.

      Grüße
      Daniel

  2. Super Danke!
    Also defensiv hinter dem Ball, aber auf Höhe des 10ers, richtig verstandem?

  3. Hallo Daniel,

    perfekte Darstellung, perfekte Interpretation!

    Meine Frage an dich: wie weit sollen die beiden Außenspieler bei Ballbesitz Gegner – Angriff durch die Mitte – „hereinfallen“ lassen?

    lg Gerd

    • Hallo Gerd,

      das ist von deiner Philosophie abhängig.
      Ich persönlich habe sie lieber weiter innen, das ist die sicherste Variante. Und dann eben soweit innen, dass Sie eingreifen und 10er und 6er unterstützen können.
      Es gibt aber auch die Möglichkeit, sie eher weiter außen auf einen Ballgewinn spekulieren zu lassen. Dann haben sie eine bessere Startposition für einen Konter, es ist aber risikoreicher.

      Viele Grüße
      Daniel

      • Hallo Daniel,

        danke bis hier hin. Und wie weit lassen sich deine Aussenspieler fallen? Und wann müssen sie auf Höhe der 6er bzw. hinter dem Ball sein?

        Lg Gerd

        PS: große Vorfreude auf Teil 2 vom 4:2:3:1

      • Hi Gerd,

        hinter den Ball auf jeden Fall, sonst laufen Sie den Pässen nur hinterher. Aber auf Höhe der 6er spiele sie nur im Ausnahmefall, da das System dann schon ein 4-4-1-1 ist und eben das Spiel nach vorne dann unter den weiten Laufwegen leidet (bei Kontersituationen). Und nach innen soweit wie notwendig, d.h. wenn sie im Mittelkreis gebraucht werden, dann rücken sie auch bis zur Mitte ein. Das ist aber eher die Ausnahme, denke ich.

        Grüße
        Daniel

Kommentare sind geschlossen.

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