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Taktik des 4-2-3-1-Systems im Fußball Teil 2: Defensivtaktik

Wie angekündigt hier der zweite Teil der Reihe zum 4-2-3-1 System im Fußball. Teil 1 (Offensive im 4-2-3-1) findet ihr hier. Schwerpunkt hier ist das Defensivverhalten bzw. sind die defensivtaktischen Besonderheiten des Systems.

Zwei Punkte sind wichtig: das kompakte Zentrum im 4-2-3-1 und die 4 Reihen

1. die 4 Reihen, die dafür sorgen, dass die gegenseitige Absicherung sehr gut gelingt.
2. ein mit 5 Spielern besetztes Zentrum, das so äußerst kompakt steht in der Defensive

4-2-3-1 Grundformation defensiv

Das System bietet viele unterschiedliche Möglichkeiten zum Pressing, je nachdem, wie man es als Trainer mit seiner Mannschaft interpretieren möchte.

Als Beispiel für eine sehr offensive Herangehensweise an die Defensivarbeit im 4-2-3-1 lässt sich etwa Borussia Dortmund nennen, die mit dem 4-2-3-1-System äußerst hoch attackieren und früh den Ballgewinn anstreben. Ein Beispiel dafür war das Dortmund-Spiel der Saison 2010/11 gegen Leverkusen.

Andererseits gibt es einige Mannschaften, die mit der gleichen Grundaufstellung sehr tief stehen und den Gegner erst in der eigenen Hälfte attackieren. Diese Flexibilität beruht vor allem auf der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeit der Außenpositionen im Mittelfeld, die als Außenstürmer (sehr offensiv) bzw. auch als Außenspieler in einer Mittelfeld-Viererkette (sehr defensiv) gespielt werden kann.

Beschäftigen wir uns mit der Bedeutung der 4 Reihen: die 4 Reihen (Viererkette – Doppelsechs – offensive Dreierreihe – Stürmer) sorgen dafür, dass man risikofreudig attackieren kann, ohne die Abwehr komplett zu öffnen. Ist die offensive Mittelfeldreihe überspielt hat man im Idealfall immer noch 6 Spieler hinter dem Ball, wovon 4 das Zentrum absichern.

So ergibt sich selbst in dieser Situation noch ein kompakter Defensivverbund. Durch die Verteilung der Spieler ergeben sich relativ kurze Laufwege in der Defensive sowie eine gute Absicherung (es können sehr gut Abwehrdreiecke gebildet werden).

Absicherung gegen Konter im 4-2-3-1

Die Doppelsechs als zentrales stabilisierendes Element im 4-2-3-1-System

Besonders wichtig für die Stabilität des Abwehrverbands ist die Position der Doppelsechs. Diese beiden vor der Abwehr agierenden Mittelfeldspieler sind verantwortlich für maximale Kompaktheit im Zentrum vor der Viererkette. Ihre Aufgabe ist es auch – je nach Pressingvariante – den Ball zu gewinnen und sofort den Gegenzug einzuleiten. Hierzu müssen sie Kopfball- und laufstark sein und über eine hervorragende Handlungsschnelligkeit verfügen.

Zentrale Defensivaufgaben der Doppelsechs:

  • den torgefährlichen Raum im Zentrum vor der Abwehr absichern
  • Doppeln nach hinten am Flügel (je nach Philosophie)
  • Unterstützung der Innenverteidiger bei Anspiel auf die Spitzen
  • Absicherung/Restverteidigung im Falle des Ballverlustes in der Offensive (ein Sechser bleibt im Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr)

Situatives Angriffspressing im 4-2-3-1:

Zieht man die Außenspieler mit nach vorne, kann man mit den drei Spielern extrem viel Druck auf die gegnerische Viererkette ausüben (den ersten Ball attackieren). So kann der Gegner zu unsauberen/überhasteten Pässen gezwungen werden bzw. dazu, einen langen Ball zu spielen. Ein geordneter Spielaufbau kann so gut unterbunden werden. Wird man überspielt, hat man immer noch sieben Feldspieler hinter dem Ball, die Mitte ist nach wie vor kompakt. Dies ist eine gute Möglichkeit, je nach Spielstand einen frühen Ballgewinn zu forcieren, z. B. um einen Rückstand aufzuholen.

Auch in psychologisch günstigen Momenten, etwa wenn man gerade ein Tor erzielt hat, kann so noch mehr psychischer Druck aufgebaut werden, der beim Gegner Unruhe verursacht. Voraussetzung ist, dass die eigene Mannschaft hoch konzentriert ist und den Willen mitbringt, dem Gegner in einer solchen Phase durch aggressives Pressing permanent Stress zu bereiten.

Risiko und offensives Denken in der Defensive beim 4-2-3-1-System:

Auch hier bietet das 4-2-3-1-System gute Möglichkeiten für risikofreudige und risikoscheue Trainer. Stellschrauben sind insbesondere der Offensivdrang der beiden Sechser und das Defensivverhalten der äußeren Mittelfeldspieler. Spielt einer der Sechser seine Rolle (auch in der Defensive) eher offensiv, dann verwandelt sich das System in ein 4-1-4-1 mit zwei Zehnern bzw. neuerdings auch Achtern. Der Raum vor der Abwehr ist eher offen, die Viererkette im Mittelfeld ermöglicht es aber, sehr früh und dennoch kompakt zu attackieren.

Die Außenspieler können entweder voll mitarbeiten in der Defensive (nach hinten doppeln, wenn der Außenverteidiger unter Druck ist) oder hoch bleiben, um bei Ballgewinn als Anspielstation für einen Konter bereit zu stehen. Letzeres ist risikoreicher, da der Außenverteidiger eine 1 gegen 1 Situation lösen muss, erhöht aber die Chance auf erfolgreiche Konter, wenn man es schafft, schnell umzuschalten.

Defensivtaktische Verhaltensweisen im 4-2-3-1 wurden auch schon hier im Blog an folgenden Stellen im Blog diskutiert:
Diskussion 1
Diskussion 2
Diskussion 3
Diskussion 4 (Artikel zur Offensivtaktik)

Ich freue mich auf eure Kommentare/Anregungen. Schön wäre es auch, wenn der ein oder andere Kollege seine Erfahrungen mit dem 4-2-3-1-System hier teilt.

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

14 Kommentare

  1. Hallo Trainer!

    Echt toller Blog! Auch ein super Artikel zum 4-2-3-1.

    Kurze Frage: Wie verteidigt man im 4-2-3-1 von „innen nach außen“ was ja eine Maxime des ballorientierten Spiels ist.

    Sportliche Grüße
    Gerd

    • Hallo Gerd,
      ich denke, beim „Von-innen-nach-außen-Verteidigen“ im 4-2-3-1-System dabei geht es darum, dass die Doppelsechs zuallererst den Raum vor den Innenverteidigern sichert und sich erst dann nach außen orientiert, um helfend einzugreifen. D.h. eine zu frühe Orientierung auf den Flügel birgt die Gefahr, im Zentrum in Unterzahl zu geraten (z.B. bei einem öffnenden Pass vom Flügel).

      Hoffe, das hilft ein wenig weiter.

      Grüße
      Daniel

    • … und vielen Dank für das Lob.

      Grüße
      Daniel

      • Ich misch einfach mal auch ein :P

        Okay für die Doppel 6 klar – und was bedeutet das für die Aussenstürmer bzw. Aussenverteidiger von innen nach außen zu verteidigen?

        Gruß :)

      • Aus meiner Sicht, dass auch sie zuerst darauf bedacht sind, das Zentrum zu sichern (und unter Umständen zuerst den Pass in die Mitte zuzustellen). Wie das dann konkret aussieht, hängt auch ein bisschen von der Philosophie ab. Ich finde, dass das „Von-innen-nach-außen-Verteidigen“ vor allem erstmal bei ungeordneter Deckung relevant ist. Ist man geordnet, sehe ich keinen Grund, den Ball in die Mitte nicht zuzulassen bzw. zu provozieren.

      • Danke Coach!

        Wollt ich nämlich auch fragen, es bietet sich doch gerade wenn man geordnet hinter dem Ball steht an, den Gegner ins ‚volle‘ Zentrum (Doppel 6 + 10er) zu lenken…

  2. Hallo Trainer!

    Ich habe eine Frage zu den Defensivaufgaben der beiden Außenspieler im 4-2-3-1:
    Und zwar: was sind die Defensivaufgaben, wie positionieren sie sich (welche Passwege müssen zu gestellt werden), wann und wie bilden sie Abwehrdreiecke (Deckungsschatten erweitern) und wie weit verschieben sie ballorientiert ins Zentrum?

    Gruß
    Simon

  3. Hey Daniel!

    Zuerst einmal ein Lob! 2 wirklich sehr lesenswerte Artikel zum 4-2-3-1!

    Was ich mir zu Teil 2 noch gewünscht hätte, wenn du (wie beim Artikel zum 4-4-2) mehr auf Abstände in Breite und Tiefe, Kompaktheit, Verschieben und Doppeln eingegangen wärst.
    Du erwähnst, dass die Formation 4-2-3-1 viele Abwehrdreiecke ermöglicht. Bitte näher erläutern :)

    Gruß Simon

    • Hi Simon,

      bin mittlerweile der Meinung, dass das alles Dinge sind, die aus der jeweiligen Interpretation des Spielsystems entstehen.
      Ich denke, über die im Artikel genannten Links sind einige Ansätze dazu zu lesen.

      Mal sehen, ob ich das Thema Abwehrdreiecke noch verdeutlichen kann.

      Grüße
      Daniel

      • Nun, ein großer Vorteil des Systems ist, dass man durch die beiden Sechser die Chance hat (insbesondere beim Mittelfeldpressing) die offensive Mittelfeldreihe komfortabel abzusichern und Pässe in die Tiefe zu verhindern, ohne dabei sofort Druck auf den Innenverteidigern bzw. der Kette zu haben. Die Sechser haben zu Unterstützung des offensiven Mittelfelds relativ kurze Laufwege (im Gegensatz zu einem einzelnen Sechser). Zu Abwehrdreiecken kommt es dabei immer wieder bei Außenspieler-Außenverteidiger-Sechser bzw. Zehner-Sechser-Sechser. Und das klappt, was äußerst attraktiv ist, bei relativ geringen Laufwegen für alle Beteiligten.

        Grüße
        Daniel

  4. Sehr guter Artikle zu einer ebenfalls sehr guten Taktik. Hat Bayern nicht auch mal die Taktik gespielt?

Kommentare sind geschlossen.

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