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Ein Spielsystem trainieren, Teil 1: Vorüberlegungen

Taktische Elemente eines Spielsystems

Immer wieder finden sich in Fußball-Foren Fragen wie „Wie trainiere ich das 4-2-3-1 System“ oder „wie kann ich die 4-4-2 Taktik trainieren?“. Die Frage ist natürlich interessant, aber man sollte sich das nicht zu einfach vorstellen. Grund genug, sich Gedanken zu machen über den Trainingsplan für die nächste Sommer- oder Wintervorbereitung.

Als Trainer trainiert man nicht eine Taktik oder ein Spielsystem direkt, sondern zerlegt seine Trainingsarbeit in verschiedene Einzelschritte, in denen man auf Basis der Grundformation im Spielsystem die gewünschten taktischen Verhaltensweisen trainiert und interpretiert. Diese Interpretation hängt immer auch von den Eigenheiten und Fähigkeiten der Spieler ab, die für eine bestimmte Position oder Positionsgruppe zur Verfügung stehen. Hier sollte man von Anfang an realistisch bleiben in Bezug auf die Frage, was Spieler leisten können und sollen.

Das Erarbeiten eines Spielsystems ist wie ein Puzzle. Manche Teile passen oft schon ganz gut zusammen, andere müssen erst noch gefunden und richtig eingefügt werden. So kann eine Mannschaft zum Beispiel bereits ganz ordentlich eine Viererkette mit Doppelsechs spielen, hat aber keine Erfahrung damit, nur mit einem Stürmer zu agieren, z.B. im 4-2-3-1 System.

Zuerst einen Überblick verschaffen

Wenn man nun eine Mannschaft neu übernimmt oder eine neue Taktik einführen will, muss man sich zuerst einen Überblick darüber verschaffen, welche Verhaltensweisen die Mannschaft schon kennt und sicher umsetzen kann. Dazu eignen sich Testspiele, Spielbeobachtungen und auch Trainingsformen, die bestimmte taktische Verhaltensweisen gezielt provozieren.

Eine ganz entscheidende Frage muss man sich stellen, wenn man sich für ein Spielsystem entscheidet: Ist das das richtige Spielsystem, um das Potential meiner Mannschaft optimal zu nutzen? Und auf einer zweiten Ebene hängt ein Spielsystem natürlich auch vom Spielsystem des Gegners ab. Trotzdem hat jede Mannschaft ein „Stammsystem“, Borussia Dortmund z.B. das 4-2-3-1, das sich in der Defensive oft in ein 4-4-2 mit flacher 4 verwandelt.

Welche Elemente hat ein Spielsystem?

Nun, ich muss grob zwei Phasen des Spiels trainieren, die ihrerseits wieder unterteilt sind: In der Defensive (gegnerischer Ballbesitz) muss meine Mannschaft zuerst das Verhalten in der Verteidigung, vor allem das der Viererkette und das richtige Verhalten in Abwehrformation trainieren. Darauf aufbauend muss dann im Training erarbeitet werden, wann, wie und wo ich den Ball gewinnen will – meine Pressingstrategie. Dazu kommt, wenn wir von der Defensive reden, das Verhalten bei Ballverlust, bekannt als schnelles Umschalten von Angriff auf Abwehr.

In der Offensive (eigener Ballbesitz) muss ich mich mit dem Spielaufbau aus der Abwehr beschäftigen, um dann darüber nachzudenken, wie ich das Herausspielen von Torchancen (Angriffsspiel) trainieren kann. In der Offensive werden diese Phasen ergänzt durch das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff, auch als Konterspiel bekannt.

Die wichtigsten Elemente in einem Spielsystem zusammengefasst:

  1. Abwehrkette/Defensivformation
  2. Pressing
  3. Umschalten (in beide Richtungen)
  4. Spielaufbau
  5. Herausspielen von Torchancen
Taktische Elemente eines Spielsystems

Taktische Elemente eines Spielsystems

Individuelle Stärken als wichtiges taktisches Element

Im Idealfall hat man in seiner Mannschaft Spieler, die über besondere Stärken verfügen. Warum also sollte man diese Stärken nicht in das Spielsystem einbauen? So hat man z.B. am linken Flügel einen sehr passicheren und dribbelstarken Spieler, am rechten Flügel einen echten Sprinter. Ich würde dann natürlich auf Links eher schnelles Kombinationsspiel bevorzugen, wohingegen auf dem rechten Flügel der schnelle Ball in den Rücken der Abwehr eine gute Lösung wäre. Solche Überlegungen, wie oben bereits erwähnt, kann man erst anstellen, wenn man jeden Spieler mit seinen Stärken und auch Schwächen gut kennt.

Ein Spielsystem einführen – Defensive vor Offensive

Um nun eine neues Spielsystem einzuführen, würde ich persönlich die Trainingsplanung so angehen wie es auch die meisten Profitrainer machen: Zuerst die Defensive trainieren, um „gut zu stehen“ und wenn das soweit funktioniert, anfangen, die Offensive auf Torerfolg zu trimmen. Jürgen Klopp hat das beispielsweise nach eigener Aussage bei seinem Amtsantritt in Dortmund so gemacht (Quelle: Interview im ITK-Journal 2011). Die Defensive ist eben immer noch ein größerer Garant für Erfolg als die Offensive (siehe Chelsea in der Champions League 2011/12).

Dazu kommt, dass das Abwehrverhalten in einem Spielsystem einfacher zu trainieren ist, weil man mit klaren Vorgaben und Anweisungen arbeiten kann. Die defensiven Abläufe können vom Trainer festgelegt und dann quasi einstudiert werden. Beispiel: „Wenn der Ball auf die Außenposition gespielt wird, dann attackiert der äußere Mittelfeldspieler und wird vom Sechser abgesichert.“ – klare Anweisung!

Die Vorbereitung reicht locker aus…

Eine Vorbereitungsperiode von 5 bis 6 Wochen ist ausreichend, um die wichtigsten Elemente im Spielsystem zumindest grundlegend zu trainieren. Sind Vorkenntnisse vorhanden, so kommt man in kurzer Zeit recht weit. Bei 6 Wochen kann man z.B. in den ersten beiden Wochen das Thema Abwehrformation und Pressing, in den Wochen 3 und 4 das schnelle Umschalten (in alle Richtungen) und in den Wochen 5-6 Spielaufbau und das Herausspielen von Torchancen als Schwerpunkte im Training setzen, ohne andere wichtige Inhalte (Kondition, Technik, Teambuilding) zu vernachlässigen. Um den Trainingserfolg zu überprüfen, plant man Testspiele ein: Für die Kontrolle der Defensivleistung sucht man sich eher höherklassige Gegner, für die Offensive eher gleichstarke Mannschaften. Und natürlich ist das Training nach der Vorbereitung ja nicht vorbei, es bleibt genug Zeit, sein Spielsystem während der Saison zu perfektionieren….

Hier geht’s weiter mit Teil 2

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

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