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Ein Spielsystem trainieren, Teil 2: Viererkette, Pressing, Umschalten

Training der Viererkette im 6 gegen 6

Nachdem ich die Grundlagen des Trainings eines Spielsystems kurz geklärt habe, möchte ich hier – wie man das auch meist in der Trainingspraxis macht – zuerst auf die Defensive eingehen.

Im defensiven Teil eines Spielsystem sind die beiden wichtigsten Schwerpunkte die Viererkette (bzw. Abwehrkette) und Abwehrformation der gesamten Mannschaft sowie das Pressing. Also trainieren wir 1. das Verhalten der Abwehrkette in Zusammenarbeit mit dem Mittelfeld, das ballorientierte Verschieben (Passwege zustellen) der Mannschaft und dazu 2. das strategische Verhalten beim Pressing aller Mannschaftsteile im gewünschten Spielsystem.

Elemente eines Spielsystems - Viererkette und Pressing

Elemente eines Spielsystems – Viererkette und Pressing

Das Training der Viererkette im gewünschten Spielsystem kann man sehr gut gruppentaktisch angehen, z.B.  4+2 gegen 4+2 Angreifer in verschiedenen Systemen (wichtig: Unterscheidung zwischen einem und 2 oder 3 Stürmern). Bei nur einem gegnerischen Stürmer kann ein Innenverteidiger sich aus der Kette lösen und herausrücken. Bei zwei Stürmern des Gegners muss er länger tief bleiben, da er sonst Räume für den zweiten Stürmer öffnet, wenn der erste Stürmer kurz entgegenkommt. Bei drei Stürmern muss zusätzlich das gewünschte Verhalten der Außenverteidiger (eng oder breiter spielen) vermittelt werden. Diese gruppentaktische Detailarbeit sollte dann aber möglichst schnell in den größeren mannschaftstaktischen Trainingsformen aufgehen, bei denen mindestens 8 gegen 8 spielen. Nur so ergeben sich auch realistische Spielsituationen, anhand derer der Trainer die Mannschaft weiter verbessern kann (siehe Trainingsform 3).

Zum Pressing trainieren eignen sich ebenfalls Spielformen im 6:6 bis 8:8. Zur Not kann man auch kleiner trainieren, bewegt sich dann aber relativ weit weg vom Wettspiel und vom mannschaftstaktischen Training im Spielsystem. Aber alles ist besser als gar kein Training. Die Pressingaktionen kann man in das Lenken/Einleiten und die Ballgewinnaktion unterteilen, die getrennt trainiert und später in einer größeren Form zusammengeführt werden können.

Wichtig ist, dass man die Elemente des Spielsystem, sobald die Grundlagen funktionieren, so oft wie möglich mannschaftstaktisch im 11 gegen 11 oder mindestens im 8 gegen 8 trainiert. Letzteres ist das so genannte „reduzierte 11 gegen 11“, bei dem man diejenigen Positionen weglässt, die für die taktische Aufgabe kaum relevant sind. Beispiele dafür sind die Stürmer beim Training der Viererkette oder die Innenverteidiger beim Mittelfeldpressing. Besser ist aber natürlich immer das vollständige 11 gegen 11.

Schnelles Umschalten von Angriff auf Abwehr

Der Ballbesitz wechelt in den meisten Spielen im moderen Fußball – Barcelona und die spanische Nationalmannschaft nehmen wir hier einmal aus – ständig. Das schnelle Umschalten stellt nun die logische Verbindung zwischen Angriff und Abwehr her.

Bei Ballverlust ist es oberstes Ziel, nach einem offensiven Ballverlust seine kompakte Defensivformation so schnell wie möglich wieder einzunehmen, um gegnerische Konter, d.h. Angriffe auf eine ungeordnete eigene Abwehr, zu verhindern. Dazu kann man sich entweder schnell zurückziehen, sofort Gegenpressen (siehe Barcelona) oder ein „falsches“ bzw. angetäuschtes Gegenpressing spielen, um den Gegner zu einem Rück- oder Querpass zu zwingen. Normalerweise genügt schon ein etwas längerer Querpass des Gegners, um wieder in die eigene Defensivformation zu kommen. Dazu ist eine schnelle und koordinierte Reaktion der Spieler in Ballnähe notwendig. Die Positionen sollte die Mannschaft von hinten nach vorne auffüllen (Viererkette –> Sechser –> Rest der Mannschaft). Als Trainer muss man entscheiden, wie viele Spieler im Angriff hinter dem Ball spielen bzw. sichern sollen.

Für Gegenpressing ist es notwendig, dass man nicht so breit spielt im Spielaufbau, da sonst Spieler, die unterstützen könnten, zu weit weg sind. Diese Defensiventscheidung trifft man also zum Teil schon, wenn man sich für die Art und Form des Offensivspiels entscheidet.

Trainingsformen für Abwehrkette und Pressing (Beispiele):

Das Defensivverhalten trainiert man – wenn man nicht gerade eine italienische Vereinsmannschaft ist – immer mit Gegner und möglichst wettkampfnah (spielgemäße Räume und Zahlenverhältnisse).

Trainingsform 1: Training der Viererkette im 6 gegen 6

Training der Viererkette im 6 gegen 6

Training der Viererkette im 6 gegen 6

Wichtiger Aspekt dieser Trainingsform: Doppeln im Zentrum; hier verbessert man im Detail das Zusammenspiel der Sechser mit der Viererkette und arbeitet bei Stellungsspiel und Positionsverhalten mit präzisen Korrekturen.

Trainingsform 2: Abwehrtraining (Viererkette und Pressing) im 8 gegen 8

Abwehrtraining 8 gegen 8: Viererkette und Pressing

Abwehrtraining 8 gegen 8: Viererkette und Pressing

In dieser Trainingsform spielt eine Mannschaft ohne Stürmer (durch die Hütchen simuliert), die andere ohne Innenverteidiger. Der Torwart übernimmt die Rolle des Anspielers, darf aber nicht durch die Hütchen passen). Das Sparringsteam (rot) sollte in verschiedenen Formationen angreifen (natürlich nicht unbedingt innerhalb einer Trainingseinheit, aber im Verlauf einer Vorbereitung).

Coachingpunkte für die Abwehr:

  • Exakte Formation, sinnvolles Stellungsspiel
  • Laufwege, Schließen von Passwegen
  • Zweikampfverhalten gegenseitiges Coachen
  • Timing beim Pressing

Hier geht’s weiter zu Teil 3

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

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