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Disziplin im Fußball: Frust und Wut richtig nutzen

Disziplin im Fußball ist eine Grundvoraussetzung für Erfolg. Am beeindruckendsten finde ich Trainer und Spieler, die sich weder von Gegnern, noch von Zuschauern und Schiedsrichtern jemals hat aus dem Konzept bringen lassen. Dinge, die sie nicht beeinflussen können (der Spielstand, das Verhalten der Gegner, die Schiedsrichterentscheidungen) lassen sie kalt. Sie sind auf ihre Aufgabe, ihre Mannschaft und das was sie zu tun haben, fokussiert. Und diese Disziplin macht sie erfolgreich. Dadurch verschwenden diese Trainer und Spieler nicht ihre Kraft für Hadern und Diskutieren.

Disziplin und saubere Schuhe

Disziplin und saubere Schuhe

Disziplin ist im Fußball ein wichtiger Faktor, nicht nur im taktischen Bereich, sondern auch auf das Sozialverhalten auf dem Spielfeld bezogen. Dazu passt sehr gut ein Artikel von Sportpsychologe Dan Abrahams, den ich in “Soccer Coach Weekly” gefunden habe und bei dem es darum geht, wie Spieler besser mit Wut und Frust umgehen lernen. Ich habe den Artikel einfach mal frei übersetzt, hier der Link zum Original: 6 Tips to Help Your Players Manage Their Anger

Frust ist beim Fußball zunächst ein gutes Zeichen:

Wut und Frust sind ein Zeichen dafür, dass ein Spieler ein Ziel hat, es aber aus irgendwelchen Gründen gerade nicht erreichen kann. Deshalb sollte man als Trainer die Wut kanalisieren und in positive Energie umsetzen. Das gelingt am besten durch positive Ansprache und dadurch, dass man dem Spieler hilft, die Ursachen der Wut zu erkennen. Und dann gibt man ihm das gemeinsame Ziel an die Hand (“Wir wollen gewinnen.” “Nutze die Energie, um deinen Gegner zu dominieren oder das Spiel zu drehen.”). Man sollte auch durchaus sagen, dass Wut ein gutes Signal ist.

Im Training hat Wut nichts zu suchen

Ein Fußballtraining, bei dem zu viele negative Emotionen mitspielen, ist sicher keine gute Lernerfahrung für Spieler und Trainer. Denn Wut führt dazu, dass die Konzentration leidet und die Spieler im Training so nicht mehr sonderlich effektiv lernen können. Sie sind zu sehr auf sich selbst bezogen und haben “den Kanal voll”. Die Aufgabe des Trainer sollte daher sein, die Gemüter im Training zu beruhigen, ohne die Spieler einzuschläfern. Aktive Aufmerksamkeit ist das Ziel, diszipliniert lässt es sich viel besser lernen.

Aktivität statt Reaktivität

Spieler, die im Wut- oder Frust-Modus sind, werden wahrscheinlich eher reagieren als selbst aktiv zu sein. Sie lassen sich provozieren, statt selbst zu bestimmen, wie das Spiel läuft. Sie begehen unnötige Fouls und kassieren Karten. Sie spielen ohne nachzudenken und machen das Spiel zu hektisch. Schafft man es aber, wie in Punkt 1 beschrieben, die Wut in positive Energie umzusetzen, sind die Spieler hoch aktiv und spielen dennoch mit dem Kopf. Sie sind fokussierter und trotzdem hoch motiviert. Disziplin hilft, selbstbestimmer zu sein beim Fußball.

Aufmerksamkeit der Spieler auf die Aufgabe lenken

Die Aufgabe des Trainers endet nicht an der Taktiktafel. Heutzutage muss er auch psychologisch geschult sein und es verstehen, die Aufmerksamkeit seiner Spieler auf die entscheidenden Punkte und Aufgaben im Spiel zu lenken. Es ist eine große Kunst, den Spieler weg von der Ursache seiner Wut und hin zu den Aufgaben, die der Mannschaft helfen, zu lenken. Der Fokus muss durch die richtige Ansprache verändert werden. Erreicht man, dass eine Mannschaft sich so diszipliniert verhält, wird man erfolgreicher sein und die Spieler schneller weiterentwickeln.

Die richtige Einstellung

Es geht nicht immer nur darum, spontan mit Wut und Frust umzugehen, sondern eine grundsätzliche Einstellung zu diesen Emotionen zu entwickeln. Das ist ein längerer Prozess, bei dem der Trainer seine Spieler immer wieder unterstützen muss. Indem er ihnen eine andere Perspektive gibt und sie spiegelt um ihnen ihre eigenen Verhaltensweisen und deren (negative oder positive) Auswirkungen klar macht. Auch hier hilft die stoische Fokussierung auf die Aufgabenerfüllung und das Ziel der Mannschaft.

Spielern durch Training und Coaching Disziplin beibringen

Junge Spieler brauchen keinen professionellen Psychologen (oder nur die wenigsten). Man kann viele der vorhandenen Probleme wegcoachen. Spieler brauchen Sicherheit, Vertrauen und Verantwortung. Und sie müssen ggf. im Training üben, mit Wut und Frust umzugehen und sich diszipliniert zu verhalten.

Der Trainer kann solche Situationen mit Hilfe der Mitspieler gezielt herbeiführen und dann mit dem betroffenen Spielern an seinen Reaktionen arbeiten. D. h. man lässt etwa einen Stürmer in Doppeldeckung nehmen und erprobt seine Reaktion: wird er wütend, ist er frustriert, oder erkennt er, dass es der Mannschaft hilft, weil einer seiner Mitspieler jetzt mehr Raum hat?! Kann er auch mal ein, zwei Fouls einstecken, ohne zu maulen? Auch hier gibt es kleine Kniffe, die schon helfen können (bis 10 zählen, ablenken, etc.).

Wie sieht es bei euch aus, habt ihr auch schon mit Spielern gezielt an der Frustbewältigung gearbeitet oder habt ihr Kandidaten, bei denen das nicht schaden würde? Wie geht ihr es an mit der Disziplin in eurem Team?
Freue mich über Anmerkungen.

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

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