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Außenverteidiger im Fußball

Der Außenverteidiger im Fußball verrichtet seine Arbeit meist mit Laufwegen entlang der Seitenlinien. Das hat den Vorzug, dass er lautstarke Kritik des eigenen Trainer zumindest in einer Halbzeit relativ ungefiltert direkt in den Kopf geschossen bekommt. Hingegen kann der Job des Außenverteidigers auch sehr einsam sein, wenn das Spiel gerade über die andere Seite läuft.

Der Außenverteidiger ist eine normalerweise eher unauffällige Position, ein Dani Alves ist da sicherlich die Ausnahme. Das heißt nicht, dass sie unwichtiger als andere ist. Aber auf dieser Position fällt man oft nur auf, wenn man etwas falsch macht. Macht man alles richtig, wird es maximal zur Kenntnis genommen.

Der Außenverteidiger geht tendenziell auch viele Wege, ohne dann konkret an der Spielsituation beteiligt zu sein. Aber er muss es tun, um in Offensive Breite (und enge Räume für das Gegenpressing) und in der Defensive Kompaktheit in die Formation zu bringen. Dazu braucht er eine intelligentes Stellungsspiel.

Außenverteidiger im 4-3-3

Außenverteidiger im 4-3-3

Schon sehr lange haben Außenverteidiger (im Gegensatz zu Innenverteidigern) im Fußball auch regelmäßig Offensivaufgaben zu verrichten. Das beschränkt sich nicht nur auf den Spielaufbau, sondern vor allem auch auf das Herausspielen von Torchancen in der gegnerischen Hälfte. Dabei sorgt er für die notwendige Breite im Spiel oder schafft situative Überzahl auf den Halbpositionen durch diagonale Laufwege.

Außenverteidiger in versch. Spielsystemen

  • Als einziger Spieler auf Außen:
    4-4-2 mit Raute, 4-2-2-2, 4-3-2-1
  • Als zweiter Außenspieler (enger Abstand nach vorne):
    4-4-2 mit flacher Vier, 4-1-4-1
  • Als zweiter Außenspieler (weiter Abstand nach vorne):
    4-2-3-1, 4-3-3

Als einziger Spieler auf Außen muss der Außenverteidiger im Grunde die ganze Außenseite und auch Länge des Platzes alleine bespielen, von situativen Ausflügen seiner Mitspieler auf den Flügel einmal abgesehen. Das gilt in der Offensive und der Defensive.

Hat er einen Mitspieler auf Außen, ändert sich die Aufgabenstellung für den Außenverteidiger. Er muss mehr auf dem Flügel kombinieren und hat ggf. weniger Passoptionen nach Innen (Dreiecksbildung).

Außenverteidiger: Defensivaufgaben

  • Fenster schließen zum Innenverteidiger
  • Innenverteidiger unterstützen und Absicherung (Verhalten Viererkette)
  • Gegnerische Außenspieler neutralisieren bzw. binden
  • Stellungsspiel: so positionieren, dass gegnerische Diagonalbälle nicht gefährlich werden können

Außenverteidiger: Offensivaufgaben

Der Außenverteidiger hat in der Offensive unterschiedliche Aufgaben. Zunächst konzentriert sich seine Angriffsarbeit häufig auf die Außenbahnen, wo er – je nach Spielsystem – die äußeren Mittelfeldspieler unterstützt oder sogar alleine agiert (z. B. im 4-4-2 mit Raute).

Außenverteidiger im 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld

Außenverteidiger im 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld

Insgesamt sorgt er für genügend Breite im Spiel und versucht, sowohl im Spielaufbau als auch im Herausspielen von Torchancen (2. Phase des Angriffsspiels) mitzuwirken. Dabei ist er Anspielstation für Spielverlagerungen vom Flügel, Flankengeber und Initiator von Passfolgen durch die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr (Spiel nach Innen).

Außenverteidiger als zusätzlicher Spieler im Zentrum

Seltener kommt es vor, dass der Außenverteidiger im Aufbauspiel den Laufweg nach Innen sucht. Tut er dies, so sorgt das häufig für eine Überzahl im Zusammenspiel der Sechser oder Achter gegen das gegnerische Mittelfeld. Dafür lässt die Mannschaft die hintere Flügelposition bewusst unbesetzt.

Durch diagonale Läufe nach Innen hinter die gegnerischen Angreifer (bei Ballbesitz Innenverteidiger) räumt er den Flügel frei und verstärkt die Mitte. Dadurch wird ggf. Raum frei, den der äußere Mittelfeldspieler nutzen kann. Oder der Außenverteidiger selbst ist im Zentrum anspielbar und kann den Ball weiter nach vorne tragen.

Spezialfall: Dreierkette bzw. Fünferkette

Bei Spielsystemen mit Dreierkette bzw. Fünferkette, z. B. 3-5-2 oder 3-4-3, kommen Außenverteidiger dann zum Einsatz, wenn sie auch die eher etwas offensivere Spielart als äußerer Mittelfeldspieler beherrschen. Denn eigentlich kann man das Spiel mit einer Dreierkette auch als Notlösung interpretieren, die aus einem Mangel an (guten) Außenverteidigern resultiert.

Die Fünferkette kann in ihrer defensivsten Interpretation wirklich aus drei Innenverteidigern und zwei echten Außenverteidigern bestehen. mit fünf echten Abwehrspielern werden aber eher nur Außenseiter antreten, die sich beim Favoriten einen Punkt ermauern wollen.

Anforderungsprofil des Außenverteidigers:

Zweikampfstärke, Schnelligkeit und Ausdauer und hervorragender Fleiß. Nur damit schafft es der Außenverteidiger, die gesamte Länge und ein gutes Stück der Breite des Spielfelds abzudecken.

Ein Außenverteidiger muss sich sehr gut orientieren können und ein gutes Gefühl für Räume und Abstände haben (Stellungsspiel). Das gilt vor allem für den Raum zwischen ihm und dem Innenverteidiger sowie für den Raum im Rücken der Abwehrkette, in den ggf. Offensivspieler einlaufen können.

Technisch muss der Außenverteidiger über eine sehr gute Ballan- und -mitnahme und eine gute Handlungsschnelligkeit verfügen, da er beim Herausspielen von Torchancen fast immer unter extremem Druck agiert (häufig wird der Außenverteidiger beim Pressing angelaufen, um ihn zu einem schlechten Pass oder Fehlpass zu zwingen.

Dazu kommt die Anforderung eines guten Passpiels auf mittlere und lange Distanz. Denn häufig spielt der Außenverteidiger aus der Bedrängnis heraus direkte Bälle in das offensive Mittelfeld bzw. auf die Stürmer. Dabei kommen sowohl flache Pässe als auch Flugbälle (letztere auch bei Spielverlagerungen) oft vor.

Das Kopfballspiel ist – je nach Statur – meist nicht die Musterdisziplin des Außenverteidigers. Dennoch muss er zumindest den Körpereinsatz beherrschen, um seinen Gegner im Kopfballduell stören zu können (Mitspringen). Gern postieren Trainer die Außenverteidiger bei gegnerischen Eckbällen am kurzen oder langen Pfosten, da es sich häufig um kleinere Spieler handelt.

Die Königsdisziplin: der beidseitige Außenverteidiger.

Dieser Spielertyp ist eher selten zu finden, insbesondere im Junioren und Amateuerbereich. Denn das Spiel auf der linken bzw. rechten Abwehrseite ist, abhängig vom starken Fuß, sehr unterschiedlich, was Laufwege und Passwege angeht. Phillip Lahm war einer dieser raren Spieler. Selbst Weltklasseaußenverteidiger wie Marcelo oder Dani Alves kann man sich kaum auf der anderen Abwehrseite vorstellen.

Außenverteidiger müssen vielseitig sein

Für die Ausbildung eines Außenverteidigers bedeutet das, dass sie nicht zu früh auf eine Position festgelegt werden sollten. Häufige Rotation und Positionswechsel im Kinder- und Jugendbereich kann diese Entwicklung unterstützen.

Er muss offensive und defensive Verhaltensweisen kennen, um sie anwenden und auch gegen sie agieren zu können. Immer wieder kommt es vor, dass man einen Stürmer „umtrainieren“ kann auf die Verteidigerposition.

Bei aller Vielseitigkeit ist die Außenverteidigerposition auch eine mit geringen Grundanforderungen. Die bestehen zunächst darin, die „Seite zuzumachen“. Darauf basierend ist es auch eine Position, auf der man als Trainer im leistungsorientierten Juniorenbereich mal einen Spieler ausprobieren kann, wenn er diese Grundvoraussetzungen erfüllt.

Im Normalfall ist man als Fußballmannschaft nicht gleichstark auf beiden Außenverteidigerpositionen. Häufig hat man einen etwas defensiveren und einen etwas offensiveren Außenvereteidigern. Das kompensiert man als Trainer oft, indem man die Spieler davor (Mittelfeldspieler) oder daneben (Innenverteidiger) so auswählt und instruiert, dass sie Lücken füllen bzw. die Spielweise „ihres“ Außenverteidigers entsprechend unterstützen können.

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

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