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Spielsystem 3-5-2

Das 3-5-2 System hat man in der Kreisliga schon vor 30 Jahren gespielt – und plötzlich sieht man das Spielsystem bei der der EM? Nun, mit dem System von damals hat es wahrscheinlich nicht viel mehr als die Zahlenverhältnisse gemeinsam.

Die Grundformation im 3-5-2 System sorgt dafür, dass die Mannschaft in Breite und Tiefe sehr gut gestaffelt ist und schnell Passdreiecke gebildet werden können. Allerdings ist das System nicht sonderlich gut ausbalanciert, wenn man die Verteilung der Spieler auf dem Feld und die Abstände betrachtet.

3-5-2 System -Grundformation mit zwei Sechsern

3-5-2 System -Grundformation mit zwei Sechsern

Vorteil des 3-5-2 ist ein kompaktes Zentrum

Fußballtaktik heißt immer Kompromisse machen – denn mehr als 11 Spieler kann man nun einmal nicht aufbieten. Beim 3-5-2 System hat man tendenziell schwächer besetzte Flügel, außer man hat absolute Laufmaschinen auf dieser Position. Dafür kann man im Zentrum extrem kompakt spielen. Denn drei zentrale Mittelfeldspieler bieten einige Varianten:

  • zwei Secher, ein Zehner
  • ein Sechser, zwei Zehner
  • ein Sechser, ein Achter, ein Zehner

Die feinen Unterschiede dieser Rollen erklären die Kollegen von Spielverlagerung.de sehr anschaulich. Auch hier muss man sich anschauen, welche Spielertypen man zur Verfügung hat.

Besitzt man einen echten Zehner (dessen Rückwärtsgang öfters mal hakt), kann man ihn ein wenig von Defensivaufgaben entlasten, wenn man mit zwei Sechsern spielt. Gleichzeitig hat man dann einen Spieler, der die Verbindung zu den Spitzen herstellt und selbst immer wieder in den gegnerischen Strafraum eindringt.

Hat man keine echte Offensivgranate im Mittelfeld aber z. B. sehr passstarke Spieler, so kann man sich überlegen, die drei Mittelfeldspieler als Sechser (tief), Achter (Verbindungsspieler) und Zehner (hinter den Spitzen) rotieren zu lassen. oder ggf. eine Spitze immer wieder in die Zehnerposition kommen zu lassen. Durch die ständige Bewegung ist es für den Gegner schwieriger, sich in der Defensive darauf einzustellen.

Defensive: Dreierkette wird zu Viererkette oder Fünferkette

Die drei Spieler hinten (drei Innenverteidiger) können sehr flexibel zu einer Viererkette oder Fünferkette ergänzt werden. Die Formation einer Viererkette erreicht man, indem entweder der ballnahe oder der ballferne Außenspieler in die letzte Reihe rückt. Wie genau man das möchte, hängt stark von der Besetzung und den Spielertypen im Mittelfeld ab. Rücken die Sechser gern weit auf den Flügel, kann der Außenspieler ggf. zurückfallen. Spielen die Sechser eher zentral, dann bietet es sich an, dass die Innenverteidiger durchschieben und der ballferne Außenspieler sich hinten einreiht.

Dreierkette zur Viererkette auffüllen, Innenverteidiger schieben durch, Außenspieler attackiert hoch

Dreierkette zur Viererkette auffüllen, Innenverteidiger schieben durch, Außenspieler attackiert hoch

Dreierkette zur Fünferkette auffüllen: beide Außenspieler rücken in die Abwehrkette ein

Dreierkette zur Fünferkette auffüllen: beide Außenspieler rücken in die Abwehrkette ein

Der ballferne Flügel ist dadurch im torentfernten Raum ziemlich offen, was dem Gegner möglicherweise dann Chancen für weiträumige Verlagerungen bietet. Das Thema wird im Artikel Strategien gegen Mittelfeldpressing angerissen bzw. auch in Spielaufbau im Zentrum und über Außen.

Das Spiel mit drei Innenverteidigern hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn einer der Innenverteidiger eng an seinem Gegenspieler bleibt und ihn ins Mittelfeld verfolgt, sind immer noch zwei Innenverteidiger da, um die Räume in seinem Rücken zu schließen. Das sorgt dafür, dass der Gegner es sehr schwer hat, schnell in die Tiefe zu spielen bzw. in Räume einzulaufen. Das ist einer der wichtigsten Aspekte für eine stabiles Abwehrzentrum.

Der Spielaufbau im 3-5-2 ist relativ variabel

Durch die drei Innenverteidiger lassen sich im Spielaufbau verschiedene Varianten spielen: Zunächst können die Innenverteidiger zu dritt auf einer Linie aufbauen. Das entspricht dann in etwa dem Abkippen eines Sechsers zwischen die Innenverteidiger, die eher breit stehen. Die Außenspieler können dann weit hochschieben, um Raum für die Verteidiger zu schaffen auf den Außenbahnen.

Etwas asymmetrischer im Spielaufbau  wird es, wenn zwei der Innenverteidiger auf den Halbpositionen agieren und der dritte ballnah mit nach vorne schiebt. Je nach Laufstärke kann die Kette dann in einer Art Pendelbewegung agieren. Je nach Spielermaterial kann es aber auch sinnvoll sein, jeweils nur einen der Innenverteidiger am Flügel agieren zu lassen.

Sind die Verteidiger am Ball, so ist in dieser Konstellation sowohl das Spiel über Außen als auch über das Zentrum möglich. Die Mittelfeldspieler können durch Rotations-  und Ausweichbewegungen zwischen den gegnerischen Reihen immer wieder Räume und Passwege öffnen, die beiden Stürmer können sich zwischen Flügel, Halbposition und Zentrum bewegen und auch Bälle im Mittelfeld abholen. Voraussetzung ist, dass die Außenspieler ggf. in die entstehenden Lücken laufen (Abseitslinie).

Insbesondere das Hineinspielen in enge Situationen um dann durch Verlagerungen oder schnelles Herausspielen die Außen in 1 gegen 1-Situationen zu bringen kann auch ein Mittel sein – man lockt den Gegner in eine Doppelsituation und spielt dann heraus, bevor er zugreifen kann. 

3-5-2 System: Spielaufbau über Außen oder kurz ins Zentrum

3-5-2 System: Spielaufbau über Außen oder kurz ins Zentrum

Verhalten der Spitzen beim 3-5-2

Grundsätzlich muss man als Trainer schauen, welche Stürmer man zur Verfügung hat. Der Klassiker ist folgende Kombination: Ein relativ großer, robuster Spieler, der zusammen mit einem eher kleinen, wuseligen Stürmer spielt. Das gibt sowohl Gefahrenpotenzial bei Flankenspiel von den Flügeln als auch genügend Dribbelstärke, wenn es flach durch das Zentrum in die Spitze geht. Auch die Räume, in denen sich die Stürmer bewegen, kann man als Trainer variieren: eher eng spielende, zentrale Stürmer oder auch Ausweichen auf die Flügel, so dass einer der zentralen Mittelfeldspieler nachstoßen kann.

Pressing

Zwar sind im 3-5-2 System alle Pressingvarianten umsetzbar, jedoch kann das System seine Vorteile besonders ausspielen, wenn man die Stürmer und Mittelfeldspieler die gegnerischen Verteidiger hoch attackieren lässt. Durch die guten Absicherungsmöglichkeiten kann man die Gefahr von schnellen Kontern des Gegners gering halten und so den Spielaufbau sehr früh stören, ohne zu hohes Risiko. Spielt man Mittelfeldpressing, kann es sinnvoll sein, nach Innen zu verteidigen, wo man im 3-5-2 sehr kompakt steht.

Zusammenfassung/Fazit

Das 3-5-2 System ist unausgewogen. Man gibt Vorteile am Flügel auf, um im Zentrum stark zu sein. Anders interpretiert verlässt man sich auf die Lauf- und Dribbelstärke seiner Außenspieler, die oft im 1 gegen 1 agieren müssen. Hier kann es also sein, dass individuelle Qualität den entscheidenden Vor- oder Nachteil bringt. Hat man hier sehr gute Spieler, verleitet die Grundformation unter Umständen den Gegner dazu, sich mehr auf die Mitte zu konzentrieren, so dass die Flügelspieler ihre Stärken besser zur Geltung bringen können.

Gegen Mannschaften, die gern durch das Zentrum spielen und hier auf schnelles Spiel in die Tiefe und viele Rotationen der Angreifer setzen (Rotationen in der Tiefe), bietet sich das System an. Ob man die Dreierkette zu einer Viererkette oder Fünferkette auffüllt, hängt dann vom Verhalten des Gegners ab. Spielt der Gegner aufgrund der Dichte im Mittelfeld dann doch stärker über die Flügel und verlagert schnell, kann die Fünferkette helfen, auch auf Außen doppeln zu können, ohne das Zentrum zu vernachlässigen.

Auch aus der Not heraus kann dieses System die Lösung für ein taktisches Problem sein: fehlende klassische Außenverteidiger bzw. zu viele Innenverteidiger im Kader. Ist man in einer solchen Situation, kann es sehr viel Sinn ergeben, aus der Not eine Tugend zu machen, nämlich die Stärken seiner Innenverteidiger auszunutzen.

Wichtige Trainingsinhalte zum Einstudieren des 3-5-2 Systems:

Neben den üblichen verdächtigen Elementen beim Einstudieren eines Spielsystems sind vor allem folgende Inhalte im Training wichtig:

  • das Zusammenspiel der Außenspieler mit der Dreierkette (Einreihen in die Kette und Doppeln am Flügel)
  • den Spielaufbau aus der Dreierkette über die Außen (Höhe der Außenspieler) oder ins Zentrum (Rotation und Freilaufbewegungen der zentralen Mittelfeldspieler)
  • das Kombinationsspiel von den Außenpositionen auf die Halbpositionen (Stürmer und Mittelfeldspieler)
  • Lenken der gegnerischen Angriffe je nach Pressingstrategie (Angriffspressing, Mittelfeldpressing nach Innen, Tief stehen und Passwege schließen)

Habt ihr schon eure Erfahrungen mit dem 3-5-2 System gemacht? Dann freut es mich, wenn ihr einen Kommentar schreibt! Wo seht ihr die größten Stärken und Schwächen des Systems?

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

1 Kommentar

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